Betzingen liegt in Baden Württemberg, ca. 40 km südlich von Stuttgart. Vorort der Kreisstadt Reutlingen.
Keltisch, römisch oder alemannisch? Ob eine Urbevölkerung in hiesiger Gegend gefischt oder Bären gejagt hat, ist kaum anzunehmen. Kelten dürften eher hier gelebt haben, worauf verschiedene Namen der Umgebung hinweisen. Römer: ja. Die Soldaten des Augustus kamen schon 15 v. Chr. aus Richtung Schweiz in das von Kelten besiedelte Gebiet südlich der Donau. Die Eroberung unserer Heimat erfolgte vom oberen Neckargebiet aus ( 69 bis 79 nach Chr. ).
Auf Widerstand sind die Römer kaum gestoßen. Nach dem Bau einer Straße und den dazu gehörenden Befestigungen, war unsere Gegend fest in ihrer Hand.
Dass Römer auch im Raum Betzingen gebaut haben, bewiesen ausgegrabene Mauerreste in den „Mühläckern".
Alemannen drängten im dritten Jahrhundert die Römer zurück und besiedelten das Gebiet. Die von ihnen gegründeten Siedlungen sind an der Endsilbe " ingen" - auch Betzingen - zu erkennen. Erstmals wird der Ort 1271 im Zehntregister der Diözese Konstanz genannt. Über die politische Geschichte Betzingens gibt es bis 1480 nicht viel zu berichten. Genaue Nachrichten stammen erst von der Grundherrschaft, welche vom 13. bis in das 19. Jahrhundert existierte.
Zu welcher Zeit Betzingen an Reutlingen gekommen ist, wurde nicht genau überliefert. Ursprünglich wurde die Zugehörigkeit 1480 genannt. Kaiser Maximilian belehnte 1495 Reutlingen mit Betzingen. Erst im Jahre 1803 wurde Betzingen eine selbständige Gemeinde. In der 1824 abgefassten Oberamtsbeschreibung wurde berichtet, dass, außer den Auwiesen, Ackerfeld mittelmäßig war. Auffallend war in der damaligen Zeit die hohe Zahl der Leinweber.
Der Ort selbst, ursprünglich ein Bauern- und Weberort, wird von Jahr zu Jahr mehr ein Fabrikort. Weberei hat aufgehört und bäuerliche Geschäfte will niemand mehr betreiben.
Die Kirche, mit romanischem Turm, wurde 1499 - 1505 erbaut. Das alte Rathaus bei der „ Bruck " 1838.
Das 1867 erbaute Schulhaus bei der Kirche wurde inzwischen abgerissen, die Schule in der Eisenbahnstraße von 1890, eine Altenbegegnungsstätte. Die Hofmannschule 1906 gebaut, ist durch einen Neubau ergänzt worden.
Die ersten Fabriken sind Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet worden.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Betzingen erstmals Arbeitsplätze in Handwerk und Gewerbe.
Pferde, Ochsen und Kühe sind aus dem Ortsbild verschwunden. Verschwunden ist auch manches Bauernhaus mit dem „ Trippel ".
Doch über alle Neuerungen hinweg haben die Betzinger ihre Eigenart und ihre Gemeinschaft vor den Toren der Stadt bewahrt.
Geblieben aber ist Betzingen, die Bürger und die Vereine. Sie sind geblieben was sie immer waren „Betzinger„.
Blick von Betzingen auf Reutlingen
Die neue Geschichte beginnt im Jahre 1907. In diesem Jahr wurde die Gemeinde Betzingen von den Reutlingern eingemeindet. Inzwischen ist Betzingen ganz schön verstädtert und industrialisiert, der Ort hat über 10.000 Einwohner. Betzingen ist der älteste und größte Teilort der Stadt Reutlingen
Trotz und wegen der Nähe zur ehemaligen freien Reichsstadt Reutlingen hat Betzingen viele Eigenständigkeiten entwickeln und bewahren können.
Zu diesem Bild gehört die schöne und auffallenden Tracht, die Trippelhäusern und die noch ausgeprägten bäuerlichen Lebensformen
Es gibt zwei Kirchen in Betzingen. Die evangelische Mauritiuskirche, dem hl. Mauritius geweiht. Sie wird zum ersten Mal 1275 erwähnt. 1905 wurde die Mauritiuskirche gründlich renoviert und vergrößert. 1988 wurde die Kirche noch einmal einer Innenrenovierung unterzogen und erhielt die farbliche Ausstattung, wie sie heute noch besteht.
Die katholische Kirche ist dem Hl. Bruder Klaus von Flue geweiht.
Im Museum "Im Dorf" wird die ländliche Dorfkultur im 19. Jahrhundert und deren Wandel durch die Industrialisierung deutlich. Die Räume dieses landwirtschaftlichen Anwesens sind entsprechend ihrer früheren Nutzung eingerichtet und bestimmen dadurch die inhaltliche Gliederung des Hauses.